Gab es Vorläufer der Neuen Medizin? (2)
Historisches - mit Abgrenzung zur Psychologie, Psychosomatik


E. Evans, 1926 und LeShan versuchten mit Hilfe der Ergründung der persönlichen Entwicklung den Krebspatienten zu therapieren. Bei diesen Versuchen des "Verstehens der Fehlentwicklung des Patienten" (Mars, Fritz Zorn 1977) kommt es natürlich zu abenteuerlichen Spekulationen seitens der Therapeuten, da sie einen Patienten mit sog. "malignem Lymphom" therapieren wollten, den sie aber mit ihrer Therapie nur wieder krank gemacht haben, während das sog. maligne Lymphom eigentlich eine sehr benigne Lymphknotenschwellung in der Heilungsphase ist. Man sieht, Mediziner und Psychoanalytiker bzw. Psychologen arbeiten reichlich unbekümmert aneinander vorbei, wobei der Psychologe die Diagnosen der Mediziner stets für bare Münze nimmt und dem Patienten weiterverkauft.
Man vermutete hypothetisch (Engel 1954, Grinker 1966, Bahnson 1966, 1969, 1979, Baltrusch 1975, Schmale 1977, Fox 1978), daß die Krebserkrankung aus den prämorbiden psychosozialen Einflüssen under der Persönlichkeit des Krebskranken zu verstehen sei.
Engel (1961) untersuchte den Einfluß von Verlust und Trauer auf Krebs, wobei er als Verlust den Verlust eines wertvollen Objektes, also einer nahen Bezugsperson, eines geschätzten Besitzes, der Arbeitsstelle, des Heimes, des Vaterlandes, eines Ideals oder eines Körperteils etc. definiert.

Solche Untersuchungen sind typisch psychologisch und haben mit biologischen Konflikten nur sehr wenig zu tun. Im biologischen Sinn kann man einen Verlustkonflikt nur um einen Menschen oder Artgenossen erleiden. Aber auch hier kommt es natürlich darauf an, ob der Verlust eines Angehörigen in der Sekunde des DHS als Verlustkonflikt empfunden wird. Er könnte auch als Revierkonflikt empfunden werden (Hoferbe) oder gar nicht als biologischer Konflikt empfunden werden, wenn man mit dem Tod rechnen konnte. Oder wenn der der Verlust im Streit geschieht, dann kann bei einer Frau statt eines Eierstock-Karzinoms ein Brustkrebs entstehen. Wird der Verlust als Trennungskonflikt empfunden, dann finden wir bei einem biologischen Konflikt mit DHS eine sensorische Lähmung oder (je nachdem ob Kind oder Mutter oder Partner) in der linken oder rechten Brust ein duktales Ulcus Ca, bei dem man in der Ca-Phase zunächst gar nichts bemerkt. Die Seite richtet sich danach, ob es eine linkshändige oder rechtshändige Patientin ist. Betrifft der Verlust ein Heim, bzw. ein eigenes Haus, so kann es sich beim biologischen Konflikt um einen Revierkonflikt handeln, aber auch um einen Flüchtlingskonflikt mit Nierensammelrohr-Ca in der ca-Phase. Verliert der Patient mit seinem Haus auch sein Vermögen, dann kann er einen biologischen Verhungerungskonflikt erleiden, immer nur mit DHS, versteht sich.

Man sieht, uns trennen Welten! Auch für das Tier, für das ja die vier biologischen Gesetzmäßigkeiten in analoger Weise Anwendung finden müssen, ist eben der "Verlust eines Brockens" etwas völlig anderes als der Verlust eines nahen Artgenossen.
Auch die Untersuchungen psychologischer Art, ob Trauer eine Krankheit ist (Engel 1977) und ob sie bei mangelnder Trauerarbeit in "Hilf- und Hoffnungslosigkeit" ausmünden kann, sind psychologische Fragestellungen rein theoretischer, spekulativer Art, die mit der biologischen Wirklichkeit nichts zu tun haben.
Eine normale Trauer beim Tode eines nahen Angehörigen ohne DHS ist natürlich keine Krankheit, sondern ein sehr normaler Vorgang. War es aber zu einem DHS gekommen mit einem Revierkonflikt im hormonalen Patt, dann hat der Patient/Patientin einen Revierkonflikt mit einer echten Depression. Das gleiche Symptom kann eine junge linkshändige Patientin erleiden bei einem DHS mit sexuellem Konfliktinhalt. Hilf- und Hoffnungslosigkeit sind schon weitgehend weltanschauliche Begriffe, die biologisch nicht relevant sind, obwohl man sie natürlich in verschiedenem Ausmaß bei einer Depression hineininterpretieren kann.
Ich will sagen: All diese psychologischen Untersuchungen und ihre scheinbaren oder wirklichen Ergebnisse sind im biologischen Sinne nicht relevant.

Ein weiteres Beispiel mag in diesem Zusammenhang noch interessant sein: Green (1954, 1956, 1958, 1966) untersuchte 132 Patienten mit Leukämie und Lymphknotenschwellungen. Er glaubte, gefunden zu haben, daß diese Erkrankungen auftraten zum Zeitpunkt, in dem sich der Patient mit einer Vielzahl von Verlusten und Trennungen auseinandersetzen mußte, und in der Folge von Angst, Wut und Hoffnungslosigkeit gefangen war. Nun ist die Leukämie nach der Neuen Medizin nachweisbar die pcl-Phase eines biologischen Selbstwerteinbruch-Konfliktes, ebenso das Lymphom, bzw. auf organischer Ebene von Knochenosteolysen und Lymphknotennekrosen, die voraufgegangen waren. In dieser pcl-Phase hat der Patient zwar oft starke Knochenhautschmerzen, die der Psychologe vielleicht als "Wut" interpretiert, fühlt sich ansonsten schlapp und müde, was der Psychologe vielleicht mit Hoffnungslosigkeit interpretiert, aber sonst fühlt er sich sehr wohl, hat guten Appetit, schläft viel, solange er nicht in Panik gebracht wird, die der Psychologe dann als "Angst" interpretiert. Der Psychologe vermag als medizinischer Laie natürlich nicht zwischen Vagotonie und Hoffnungslosigkeit zu unterscheiden. Allerdings muß man ihm zugute halten, daß die untersuchten Patienten natürlich alle in der Mühle der Chemotherapie steckten und dann wieder alle Panikmomente hinzukommen, als auch die Vergiftungssymptomatik durch die Zytostatika.

Eine der bekanntesten epidemiologischen Studien beinhaltet, daß Japan die niedrigste Brustkrebsrate der großen Industriestaaten hat. Wandern die Japanerinnen aber in die USA aus, erleiden sie viermal soviel Brustkrebs, dafür aber viel weniger Magenkrebs. Früher wurde argumentiert, das hätte rassische Gründe oder käme von der Ernährung. Das glaubt heute keiner mehr.
Auch die unspezifische Stressforschung im Zusammenhang mit Krebserkrankung verwechselt zumeist Ursache und Wirkung, da ja alle Krebspatienten in der Ca-Phase Stress (Dauerstress) haben.

Zum Schluß möchte ich die Unterschiede zwischen Neuer Medizin und einem psychologischen Ansatz des Krebsverständnisses am Beispiel von L. LeShan, Stuttgart 1993, kurz darlegen:
          Der Autor ist Psychotherapeut. Anhand von Tests und Interviews mit ca. 500 aufgegebenen Krebspatienten kommt er zu dem Schluß, daß alle Krebspatienten über bestimmte Persönlichkeitsfaktoren verfügen, welche die Entstehung der Erkrankung fördern. Das heißt nach dem Verständnis der Neuen Medizin, daß hier mit Sicherheit Verzerrungen auftreten, weil die befragten Patienten mit großer Wahrscheinlichkeit eine Fülle von Anschlußkonflikten und Anschlußkarzinomen erlitten haben.
Das Ziel LeShans ist es, unter den Krebspatienten eine bestimmte "Krebspersönlichkeit" auszumachen, womit er sicherlich zu weit geht, da die Persönlichkeit der meisten Krebspatienten eher Gemeinsamkeiten aufweist, die erst im Verlauf der Therapie und Prognose und nicht schon im Vorfeld der Erkrankung bestanden.
"Der von Krebs befallene Mensch hat eine psychologische Gerichtetheit, die das Erkranken wahrscheinlicher macht und ihm auch das Kämpfen um das eigene Leben erschwert, wenn er erst einmal einen bösartigen Tumor entwickelt hat" (S.13)
Aus den angeführten Patienten, die nach einer Therapie bei ihm überlebten, können wir entnehmen, daß es sich dabei fast immer bezeichnenderweise um Patienten mit Lymphdrüsenkrebs, Hodgkin und Hirntumoren handelt, also nach der Neuen Medizin um Patienten in der pcl-Phase.
Typisch psychologisch wirkt auch die folgende Schlußfolgerung: Auf die eher makabre Frage "Was wollen Sie selbst wirklich mit Ihrem Leben anfangen?" starrten ihn viele Krebspatienten erstaunt und verständnislos an. Hieraus schloß LeShan bei den Patienten auf eine Unfähigkeit, die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle aggressiv zu vertreten. Man muß vermuten, daß es sich hier um eher sekundäre Phänomene handelt - ich selbst konnte mit meinen Untersuchungen solch eine Hoffnungslosigkeit, mangelnder Glauben an sich selbst etc. im Leben des Patienten vor seinen Erkrankungen noch nie feststellen. Ich halte es für einen verhängnisvollen Ansatz, von einer Krebspersönlichkeit zu sprechen. Das manchmal ähnliche Erscheinungsbild wird natürlich durch die Sympathicotonie bzw. Vagotonie hervorgerufen, die ja ganz stark auch in das psychische Erscheinungsbild des Patienten eingreift.

LeShan hat sicherlich das Bewußtsein für das Vorhandensein psychischer Ursachen des Krebs sensibilisiert. Jedoch gelangte er nicht zum Kern der Sache, da er z.T. völlig unterschiedliche Konflikte gar nicht in ihrer Verschiedenheit wahrnahm und die Ursache nur in der sehr weit gefaßten Vorgeschichte und persönlichen Entwicklung des Patienten suchte. Überflüssig zu erwähnen, daß er sich nicht für organische und cerebrale Vorgänge interessierte.

Abrenzung von der Psychosomatik

Mein Gießener Professor Thure von Üküll, bei dem ich Assistenarzt war, hat ein sehr dickes Standardwerk über Psychosomatik geschrieben. Dort wird das Problem Sympathicotonie und Vagotonie in ganz wenigen Zeilen abgehandelt. Es heißt dort, bei solcher Störung spreche man von ´vegetativer Dystonie´. Die Psychosomatik hat sicherlich das Richtige gewollt, hat auch in vielen Ansatzpunkten richtige Vermutungen gehabt. Es hieße auch den vielen Autoren Unrecht tun, wollte man nicht ihre großen Verdienste um die Suche nach den Verbindungen zwischen Psyche und Organen würdigen. Nur richtig arbeiten konnte man damit nicht, weil eindeutige und handfeste Verbindungen - wie sie die Neue Medizin gesetzmäßig aufzeigt - nie beschrieben wurden.

Vom ganzen Ansatz her befaßt sich die Psychosomatik nur mit solchen Krankheiten, bei denen ein angeblich chronisch gewordener Konflikt - über das vegetative Nervensystem - zu somatischen Veränderungen an Organen führt. Um diese angeblich zu einer bestimmten Krankheit führenden chronischen Konflikte zu eruieren, bedient sie sich normalerweise der Methode der Psychoanalyse. Es ist daher kein Wunder, daß man bisher vergebens versuchte, einzelne Störungen mit bestimmten Konfliktkonstellationen in Verbindung zu bringen. Zugegebenerweise fand sie bisher keine einheitlichen Regeln für die Organwahl.
So wird typischerweise ein Asthmaanfall als Tränenausbruch gedeutet, Bluthochdruck einem zurückgehaltenen Wutausbruch gleichgesetzt, Magengeschwüre einem ständigen Konflikt zwischen Agressions- und Fluchttendenzen. Diese Beispiele mögen zeigen, wie weit die Psychosomatik von der Neuen Medizin entfernt ist.

Das kam u.a. leider daher, daß die Psychosomatiker zu sehr in das Fahrwasser der Psychologen abgedriftet sind, statt sich auf den festeren Grund der Biologie und der Verhaltens- und Primatenforschung zu stellen. Man diskutierte endlos über Stresspotentiale oder über Stressforschung, ohne zu merken, daß Stress nur eine Folge des DHS war, ein Symptom der ca-Phase. In den gängigen Büchern über Psychosomatik (Bräutigam, Christian, vom Rad) ist nicht einmal der Ausdruck Sympathicotonie erwähnt. Vielleicht war ich für die vage Psychosomatik immer zu sehr Naturwissenschaftler. Ich bin der Meinung, daß die Psychosomatik neben der Neuen Medizin keinen Platz mehr haben wird, sondern daß sie von der Neuen Medizin mit harten, biologischen Gesetzmäßigkeiten aufgefüllt und vereinnahmt wird.

Grossart-Maticek (Krankheit als Biographie, 1979) beklagt sich über die psychosomatischen Krebsforscher: "Die Wissenschaftler konnten bis heute keine Methode entwickeln, in der sie zwischen psychosozialen Konflikten vor der Erkrankung und den psychosozialen Veränderungen nach der Erkrankung unterscheiden konnten. Dies ist in den einzelnen durchgeführten Studien auch nicht möglich, da ein Forschungsprogramm fehlt."
Grossart-Maticek sieht hier eine Seite richtig, daß man nach der Diagnose schwer unterscheiden könne, was denn nun vorher schon gewesen sei, und was der Keulenschlag der Diagnose noch zusätzlich ausgelöst hat. Eins übersieht er natürlich, da man ja damals die biologischen Gesetzmäßigkeiten der Neuen Medizin noch nicht kannte: Der Patient ist ja entweder in einer konfliktaktiven Dauersympaticotonie quasi physiologischer Art, um seinen biologischen Konflikt zu lösen, oder er ist in einer dauervagotonen Heilungsphase, weil er seinen Organismus wieder regenerieren muß. Beides könnte man nur biologisch verstehen - weder psychologisch noch psychosomatisch.

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Copyright R.G. Hamer




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